![]() |
| Münster 26.11.1943, © Schweizer Luftwaffe |
Der Beginn im Zweiten Weltkrieg
Nach der Niederlage Frankreichs 1940 im Zweiten Weltkrieg zieht sich die Schweizer Armee in das Alpenréduit zurück. Ebenso die Fliegertruppen. Dies führt in einem ersten Schritt zu einem Ausbau der vorhandenen Militärflugplätze im Alpenraum und zur Schaffung neuer Anlagen. Da dies nicht genügt, befiehlt General Guisan am 6. Mai 1941 die Erstellung von weiteren neun Flugplätzen im Zentralraum, d.h. in Turtmann, Raron, Ulrichen, Münster, Reichenbach, Frutigen, Zweisimmen und Saanen.
Betr. den Flugplatz Münster rapportiert der Kommandant der Flieger- und Flabtruppen die Planung wie folgt:
- Projekt fertig sowie Baubeginn Mitte Juni 1941, Baubeendigung Ende Oktober 1941
- Baukosten in Münster für Entwässerungsarbeiten, Entfernung von Flughindernissen, Planierungen, Strassenarbeiten und Verschiedenes total Fr. 365'000.-
Diese Planung kann nicht eingehalten werden, denn bis im November 1942 wird in Münster immer noch gebaut. Zur Bauverzögerung tragen bei: Mangel an Arbeitskräften, schlechter Baugrund, vermehrte Entwässerungsarbeiten sowie die neue Forderung des Generals, dass die Réduitflugplätze über Hartbelagpisten sowie Schutzunterstände für Flugzeuge verfügen müssen. Mitte November 1942 wird der Flugplatz als militärisch verwendbar (exkl. Tarnung) bezeichnet.
Erstmals von einer Fliegereinheit belegt wird Münster vom Dezember 1943 bis im Februar 1944. Die mit C-35 und C-36 ausgerüstete Flieger Kompanie 16 wird je zur Hälfte in Münster und Ulrichen stationiert.
1944 nach der Invasion der Alliierten am Kanal wird im Rahmen einer Teilkriegsmobilisation die gesamte Fliegertruppe auf den 10. Juni aufgeboten. Die Fl Kp 16 kommt mit ihren C-36 erneut nach Münster und bleibt bis Mitte Juli 1944. Das ist die letzte Belegung des Platzes mit Kampfflugzeugen der Fliegertruppen im Aktivdienst 1939-1945.
Die Fortsetzung und das militärische Ende nach 1944
Die erwähnte letzte Stationierung von Kampfflugzeugen im Kriegsjahr 1944 bedeutet auch das Ende der militärischen Aktivitäten auf dem Flugplatz Münster. Dazu Max Kägi:
"Heute ist nicht mehr feststellbar, ob nach Kriegsende noch vereinzelt Landungen von Militärflugzeugen stattgefunden haben, viele können es aber nicht mehr gewesen sein. Sicher ist hingegen, dass (im Gegensatz zu Ulrichen mit der Flugplatz Abteilung 3) nach 1945 keine militärische Flugplatz-Formation mehr in Münster stationiert worden ist."
"1952 wird der 1943 erstellte Lagerschuppen nach Reckingen versetzt. Er dient zur Unterbringung des sog. Stützpunkt-Materials, sowie für Flab-Geräte und -Material. Der Schuppen wird 1950/51 verschiedentlich durch Lawinen beschädigt, und die Verschiebung nach Reckingen erfolgt, weil die Versicherungen die Übernahme weiterer solcher Schäden ablehnen."
"Das 'Inventar' des Flugplatzes Münster umfasst 1952 eine Hartbelagpiste von 800 m Länge, 8 Flugzeug-Unterstände vom Typ U-43, sowie einen Hangar. Nach 1944 erfolgt kein weiterer Ausbau von Pisten und Rollstrassen, was wohl auch den Bereich der Hochbauten umfassen dürfte. Die Investitionen des Bundes beschränken sich auf gelegentliche Ankäufe von Landparzellen, speziell entlang der Rasenpiste."
Gründe des frühen Endes der militärischen Nutzung
Im Gegensatz zum Flugplatz Ulrichen, der in einer Ebene liegt, verhindert die an den Platz Münster angrenzende Topografie einen weiteren Ausbau. Insbesondere kann die Piste nicht signifikant verlängert werden, was für einen Einsatz der nach dem Krieg angeschafften Jets Voraussetzung wäre.
Grund 2: Die Vampire-Flugzeuge sind ursprünglich als grastauglich eingestuft worden. Die durch die Triebwerke erzeugte Hitze würde jedoch den Teerbelag stark beschädigen, d.h. er müsste durch eine kostspielige Betonpiste ersetzt werden.
Hugo Zehner hat aufgezeigt, dass für Schiessübungen der Fliegerabwehr (Flab) bis 1952 in Münster C-36 zu Flügen mit Schleppsack gestartet sind. Teilweise sogar im Winter, d.h. verbunden mit aufwendigen Schneeräumungen.
Nach der bis 1960 erfolgten Ausmusterung der alten Kolbenmotor-Maschinen besitzt unsere Luftwaffe mit Ausnahme von Helikoptern oder Pilatus Porter keine Flugzeuge mehr, die in Münster eingesetzt werden können.
Damals in den Kriegsjahren, eingekreist von feindlichen Mächten, hat niemand wissen können, wie schnell die gewohnten Kampfflugzeuge durch Maschinen mit Strahltriebwerk abgelöst werden, die nur von grösseren Flugplätzen aus operieren können.
Die zivile Nutzung des Flugplatzes
1959 fallen dem Segelflieger Heinz Kornfeld bei einer Mopedfahrt durch das Goms die beiden Flugplätze in Münster und in Ulrichen auf. Er besucht den Verwalter des Flugplatzes Münster, der von Heinz' Visionen eines Segelfluglagers begeistert ist. Eines führt zum anderen, und bereits 1960 wird das erste Fluglager durchgeführt.
Die nach dem militärischen Beginn folgende zivile Nutzung des Flugplatzes wird in den nächsten Kapiteln beschrieben.
Quellen
- Ernst Wyler, ex-Kommandant der Flieger- und Flabtruppen der Schweizer Armee
- Max Kägi, Archiv des Flieger Flab Museums in Dübendorf
- Helmut Steck, Fachdienst Luftaufklärung, Archiv Foto, Luftwaffe, Schweizer Armee
- Peter von Burg hat bei den oben genannten Personen Unterlagen gesammelt und ausgewertet
- Heini Ilg, Dani Friolet und Olivier Liechti (Redaktion): 50 Jahre Akademische Fluggruppe Zürich, 1940-1990 (1990 publiziert)
- Hugo Zehner: Das war die: C-36 .. und die FLAB; 2006 publiziert
27.4.2008 - Kor

