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Abwaschorgie im Küchenzelt, © Michael Keller

Das erste Lager ist ein voller Erfolg, und trotzdem ist der damalige AFG-Vorstand gegenüber Münster desinteressiert bis skeptisch. Das kann Rita Koller nicht verstehen, und so schreibt sie nach dem Lager einen inzwischen berühmt gewordenen Brief an den "lieben Präsidenten und andere Daheimgebliebene". Hier ein Auszug:

"Längst sind wir wieder zurück aus den Segelfliegerferien in Münster. Ach, wärest Du doch dabei gewesen! Dann brauchte ich diesen Brief nicht zu schreiben. Aber Du musst doch wissen, wie es war. Du musst eine Ahnung bekommen von Rhonegletscherluft und Alpenblumenduft, von Spezialitätengerüchen aus Campingküchen. Und Du solltest Dich dasselbe fragen wie wir: Weshalb kamst Du nicht mit? Wie konntest Du der Verlockung widerstehen? Und Du wirst sofortige Bekehrung geloben. Denn es gibt schlechthin keine Gründe, seine Ferien anderswo zu verbringen!"

Die ersten Jahre

1964 kommt mit der SG Swissair erstmals eine andere Fluggruppe dazu. In diesem Lager werden die ersten Streckenflüge gewagt. Hans Fischer z.B. fliegt bis nach Samedan und Sedrun, und danach ebenso Münster> Kaiseregg> Grande Dixence> Münster.

1968 wird der Lagerbeginn vorverlegt sowie die Dauer von zwei auf vier Wochen verlängert. Immer mehr Gruppen interessieren sich für Münster. Es sickert allmählich durch, dass Münster ein guter Platz ist. Die AFG fasst einen Grundsatzentscheid: Münster wird ausschliesslich für Segelfluggruppen organisiert. Der Doppelsitzer Blanik wird zum Renner. Damit dieser "Ganzmetallvogel" besser gesehen wird, verpasst man ihm eine rote Nase. Spezialisten sind nicht im Lager, deshalb wird beim ersten Versuch nur der Hangar rot, nicht die Blanik-Nase.

Ordnung muss sein

Die AFG schreibt ihren Leuten sehr genau vor, wie lange sie fliegen dürfen. Wie meldet man jedoch einem Piloten, dass er noch nicht landen muss, wenn sein Flugzeug keinen Funk hat? Findige haben ein raffiniertes System mit dem Landepfeil und einem Tuch ausgeheckt, z.B. bedeutet der Landepfeil nach rechts und daneben einrechteckiges Tuch "die Ka6 kann noch eine Stunde bleiben"!

1969, ein Jubiläumsjahr: 10 Jahre Münster

Im AFG-Lagerbericht fallen die vielen Versuche für Fünfstünder auf, von denen jedoch nicht alle gelingen. Walter Moser versucht sein Glück zu erzwingen, indem er Bier auf Vorschuss spendiert; erfolglos. Probleme gibt es nicht nur in der Luft, sondern auch am Boden. Zitat: "Wiederum könnten über die Strassentransporte Romane geschrieben werden." Mühsame Fahrten über wenig ausgebaute Pässe, zu schwache oder streikende Automotoren, umgekippte Anhänger, doppelte Plattfüsse usw. Das Jubiläum wird gemeinsam mit den Einheimischen auf dem Schulhausplatz mit Trachtengruppe, Blechmusik und Fliegerfilmen gefeiert.