Von der Militärbaracke zum Fliiger-Hiischi
Geschichtliches
Ein Blick zurück in die Chronik: 1960 führen einige Segelflieger der AFG in Münster zum ersten Mal ein Fluglager durch. Man zeltet, kocht über einem Feuer und stellt keine besonderen Ansprüche - Pfadfinder-Romantik. Ein Unterstand als einziger Luxus. Die AFG-ler sind zum Fliegen hier, nicht für Ferien à la Neckermann.
Soweit so gut, aber man muss auch menschliche Bedürfnisse berücksichtigen. Zum Beispiel muss Konsumiertes nach der Verdauung bekanntlich eliminiert werden. Die Benutzung des nahen Wäldchens für diesen Zweck ist auf die Dauer unbefriedigend. Und die vermeintliche Lösung des Problems durch das berühmte Rhone-Klo mit Flusswasserspülung (siehe AFG-Jubiläumsschrift) ebenso wenig.
In den nächsten Jahren kommen immer mehr Segelflieger, auch aus anderen Gruppen, im Sommer samt ihren Familien nach Münster. Deshalb muss das nichtfliegerische Lagerleben notgedrungen besser organisiert werden.
Im 1977er Lager passiert etwas Entscheidendes: Hochwasseralarm auf dem WC. Es folgt eine halbtägige Aktion mit Pickeln und Schaufeln in knöcheltiefer Schei.... Genug ist genug, einige AFG-ler ergreifen die Initiative. In das Projekt sollen auch eine Lagerküche und ein Aufenthaltsraum integriert werden. Die Finanzierung ist gesichert: 1979 wird der Restbetrag des sog. "Samedan-Fonds" von ca. Fr. 12'000.- der AFG zuhanden ihres Projektes für eine Baracke in Münster zugesprochen.
Abbau in Savièse
Es wird eifrig gesucht, und Jürg Amsler findet in Savièse eine passende Militärbaracke. Eine AFG-Equipe demontiert sie, transportiert die Bestandteile im Frühling 1979 nach Münster, und die Baracke wird noch vor dem Beginn des Lagers am neuen Standort montiert.
Die Militärbaracke in Savièse vor ... 
... und nach dem Angriff durch die AFG-Equipe.
Das ist die Kurzversion. Urs Isler hat die Vorgeschichte, den Abbau der Baracke in Savièse und den Transport nach Münster in einem amüsanten Bericht festgehalten. Am Anfang stehen langwierige Verhandlungen: Finanzierung, Baubewilligung, Kanalisationsanschluss, Gewässerschutzbestimmungen usw. Am 6. April 1979 ist es soweit. Um 0800 wird in Savièse der erste Nagel ausgerissen und das Dach demontiert. Was da alles zum Vorschein kommt: Vogel- und Wespennester in Serie, tote Igel, Mäuse und andere Kleintiere mehr. Am Sonntagnachmittag ist der erste Akt des Abbruchschauspiels nach zwei Tagen bereits zu Ende. Damit wird der Aktionsplan total über den Haufen geworfen: Gemäss Militärreglement brauchen vier Fachleute zwei Tage, gemäss unserer Interpretation acht Akademiker somit vier Tage für die gleiche Arbeit. Folglich sind die Lastwagen für den Transport erst für Dienstag organisiert worden.
Aufbau in Münster
Deshalb geniesst die Mannschaft am Montag ihre unerwartete Freizeit auf Montanas Skipisten. Im Widerspruch zur ursprünglichen Vereinbarung erreicht sie dort jedoch die Nachricht, der Lastwagen der Lonza stehe schon seit drei Stunden in Savièse ! Man fährt schnellsten dahin, weckt Fritz, den Chauffeur, und wuchtet in nur vier Stunden 20 bis 30 Tonnen Barackenteile auf Anhänger und Zugfahrzeug.
"Um 8 Uhr in Münster, zum Glück ist es schon spät, die Polizei ist nicht mehr unterwegs !" Mit diesem Ausruf verlässt uns Fritz abends um 9 Uhr Richtung Fiesch, wo er übernachten will. Die Bedeutung seiner Worte verstehen wir erst später: Der Lastwagen ist eigentlich bloss für 5 Tonnen und der Anhänger für 7 Tonnen zugelassen ! Wie dem auch sei, nach einer zweiten Fahrt ist alles Material auf dem Flugplatz, bereit für den Wiederaufbau.
Einst militärisches Objekt, jetzt Küchenbaracke

Dank einem Grosseinsatz über Ostern und Pfingsten, insbesondere durch den unermüdlichen Paul Senn, ist die Baracke knapp vor dem Beginn des Lagers 1979 fertiggestellt. Nun steht sie also, unsere Küchenbaracke. Damit hat die Suche und der Transport von Küchenzelten ein Ende. A propos Küchenzelt: Dazu existiert eine Aktennotiz vom damaligen Bundesrat und EMD-Chef Rüedu Gnägi - hatte der nichts Wichtigeres zu tun?
Während den nächsten Jahren wird die Baracke kontinuierlich wohnlicher gestaltet, ferner wird der Umweltschutz besser berücksichtigt. Das beinhaltet z.B. bessere Einrichtungen für die Küche, eine von der SG Aarau gestiftete Waschmaschine oder vorschriftsgemässe Sickergruben für die Abwässer. Die bekannteste Ergänzung hat Mike Keller 1981 ins Lager gebracht: Der Fussballkasten, heute bei jung und alt noch ebenso beliebt wie damals.
Der Aufbau der Baracke gemäss Urs Isler
Die "Wende" von 2000/2001
Noch beim Jubiläumslager 1999 ist ungewiss, ob und wie es mit dem Flugplatz weiter gehen soll. In den Jahren danach passiert jedoch Entscheidendes für die Zukunft des Flugplatzes, siehe Neue Trägerschaft.
Die neue Flugplatzgenossenschaft muss bzw. will bestimmte Einrichtungen des Flugplatzes renovieren oder sanieren, z.B. die Tankstelle. Die Küchenbaracke soll mit einem minimalen finanziellen Aufwand in ein Clubhaus verwandelt werden, das den zukünftigen Bedürfnissen gerecht wird. Der Rest ist Geschichte - siehe die folgenden Kapitel.
Der Name für das neue Clubhaus wird durch einen Wettbewerb bestimmt. Aus mehr als 50 eingegangenen Vorschlägen haben sich die Teilnehmer der Hauptversammlung vom 5. Juni 2004 für Fliiger-Hiischi entschieden. Diesen Vorschlag hat das leider bereits verstorbene Genossenschaftsmitglied Bruno Geisser eingereicht.
Die weitere Entwicklung des Clubhauses ist teilweise durch die auf der Seite Nachrichten publizierten Meldungen dokumentiert.
Quellen
- Jubiläumsschrift 50 Jahre Akademische Fluggruppe Zürich, 1940-1990
- Diverse Ausgaben von Aufwind (AFG-Clubzeitung)
- Unterlagen und Fotos von Jürg Amsler, Urs Isler, Mike Keller und Peter von Burg
